Spieler Server – eine mögliche Zukunft für MMORPGs?

Bei MMORPGs muss sich etwas tun, damit diese sich zum besseren verändern. Ein Problem dabei sind die Spieler selbst und hier kam mir ein Ansatz in den Sinn, der hier sicherlich helfen könnte. Und zwar einfach gesagt: die Spieler setzen selbst Server auf.

Das könnte dann so aussehen, dass ein Entwickler ein MMORPG entwickelt, dass nicht darauf ausgelegt ist, dass jeweils tausende von Spielern auf mehreren Spielwelten Servern spielen, die der Entwickler bzw. Betreiber aufgesetzt hat, wie es aktuell ist, sondern dass die Spieler selbst Server betreiben können und sich selbst um den Server kümmern.

Dazu gibt der Entwickler bzw. der Betreiber den Spielern Tools mit, mit denen sie ihren Server selbst administrieren können, eigene Quests und Events einbinden können, PvP Zonen festlegen können, Level Geschwindigkeit, Mob Stärke etc., also auch nach ihren Wünschen anpassen können und das möglichst frei. Das heißt schlicht die Spieler können selbst bestimmen, ob jeder Spieler auf ihren Server kann oder ob sie sich auf eine Whitelist, also eine Liste, die ihnen den Zugriff gewährt, eintragen lassen müssen.

Vorbild sind hier quasi die Freeshards von Ultima Online, die es ja schon länger gibt als Word of Warcraft existiert. Im Grunde ist das also eine sehr alte Idee. Warum aber nimmt man diese nicht und setzt damit ein völlig neues Modell für MMORPGs um? Ein Vorteil für MMORPG Entwickler wäre, dass sie sich dann weniger um Inhalte kümmern müssen und sich mehr auf neue Features, Bugbeseitigung und einem gescheiten Service kümmern könnten, weil die Spieler bzw. Server Betreiber den Content quasi selbst erstellen.

Natürlich gibt es auch etliche Hürden zu meistern. Zum Beispiel wie man es vermeidet, dass am Ende jeder zweite Spieler seinen eigenen Server aufsetzen will, denn sonst hat man am Ende dermaßen viele Server, dass es unmöglich ist diese überhaupt noch mit ausreichend Spielern füllen zu können und das würde das komplette Konzept zum scheitern verurteilen. Hier könnte man die Not direkt als Gelegenheit nutzen um Geld zu verdienen, sprich man könnte von Server Betreibern (also den Spielern) verlangen, dass sie so einen Server mieten müssen mit monatlichen Kosten. Dafür kümmert sich der Betreiber aber auch um alles drumherum, so das ein Spieler, der einen Server betreibt, sich rein auf das MMORPG selbst konzentrieren kann und sich bei Problemen direkt an den Betreiber wenden kann ohne sich mit der Server Software rumschlagen zu müssen. So ähnlich wie es heute schon ist, wenn man Webspace oder einen einfachen Server mietet.

Auch sollte das Ganze so umgesetzt sein, dass es leicht ist den Server einem anderen Spieler zu übertragen, so das falls der Administrator des Servers keine Zeit/Lust mehr hat er von einem Anderen weitergeführt werden kann. Es muss schon garantiert sein, dass so ein Server nicht innerhalb weniger Wochen/Monate wieder von der Bildfläche verschwindet, denn das würde wiederum die normalen Spieler abschrecken, wenn sie nie wissen ob ihr Charakter nächsten Monat noch existiert. Wobei man bei so einer Struktur, wenn der MMORPG Betreiber die Server dennoch selbst hostet, die Charaktere auch übertragbar machen könnte, als man kann mit ihnen auf einen anderen Server umziehen, wenn es wirklich nicht anders geht (ständig hin und her wechseln sollte vermieden werden).

Wie man sieht gibt es da einige Hürden, die es zu klären gilt, damit so etwas auch wirklich am Ende funktionieren kann. Aber es ist auch eine Chance, man könnte so ein Modell gar auch bei bereits existierenden MMORPGs umsetzen. Dann können die Spieler selbst den Server so aufsetzen, wie sie es gerne hätten.

Generell würde ich MMORPGs für so ein solches Modell aber für weniger Spieler auslegen, also nicht für bis zu ca. 30.000 pro Server, wie aktuell grob bei den meisten MMORPGs, sondern eher für so max. bis zu 10.000 Spieler, vielleicht sogar nur 5.000. MMORPGs haben ja quasi eine mindest Anzahl Spieler für die Spielwelt, wenn die Spielerzahlen darunter fallen ist die Welt zu leer und verliert noch mehr Spieler bis der Server wirklich tot ist.

Vielleicht wäre es sogar besser es direkt modular aufzubauen, heißt die Spielwelt Größe kann an die Spieleranzahl angepasst werden. Oder man geht noch weiter und lässt gar die Spieler die Spielwelt modular zusammen bauen. Auch prozedurale Generation wäre hier eine Idee. Völlig frei gestalten wäre schwierig, weil eine MMORPG Spielwelt bauen ist nicht so einfach wie sich das viele Vorstellen, bei den MMORPGs am Markt waren viele Leute etliche Monate damit beschäftigt, das kann man Spielern, die nur ihren eigenen Server betreiben wollen, kaum zumuten. Daher bräuchte es in diesem Fall Tools mit denen sich in kurzer Zeit ansehnliche Gebiete bauen lassen.

Aber das ist alles immer noch sehr grob. Ich wollte hier auch nur die Idee mal in den Raum werfen und nicht bis ins kleinste Detail ausarbeiten, dass würde einen Blog Eintrag doch gewaltig sprengen. Da gäbe es sicherlich noch viele Hürden zu finden und zu meistern um so etwas umzusetzen.

Aber die Grundidee gefällt mir durchaus, denn dann können die Spieler mit ähnlicher Motivation wieder richtig zusammen spielen und gehen sich nicht aus Angst der Andere könnte mit seiner vielleicht völlig anderen Motivation mein Spiel kaputt machen derart aus dem Weg, wie sie es heute tun. Vor 10 Jahren war der MMORPG Spielerhaufen eben noch nicht so bunt, da hatten die Meisten die gleiche Motivation und daher war man auch viel kommunikativer und offener gegenüber anderen Spielern. Ein Solcher Ansatz könnte helfen wieder in die richtige Richtung zu steuern, so wie es aktuell ist wird es nie wieder ein Gemeinschaftsgefühl unter fast allen Spielern in einem MMORPG geben, dazu sind die Interessen der heutigen Spieler teilweise richtiggehend inkompatibel zueinander.

4 Gedanken zu “Spieler Server – eine mögliche Zukunft für MMORPGs?

  1. Hmh, nur als Ergänzung: wenn ich mich recht entsinne (hab das ein paar Monate nicht gespielt), ist eine Zusammenlegung zu einem MegaServer geplant; einer großen Welt mit natürlich mehr Spielern. Das, was im Moment läuft, war die Entwicklungsphase. Beziehungsweise ist es noch.
    Etwas mit 4-64 Spielern würde ich auch nur ein LGRPG (little group RPG) nennen 🙂

    • Bei meiner kurzen Recherche bin ich auch über ein Satz ala „außerdem ist zu dem Spiel auch noch ein MMORPG geplant“ oder so ähnlich gestolpert. Aber keine Ahnung wie genau sie das am Ende geplant haben.

      Naja, werde das mal im Auge behalten.

  2. Ich möchte dich nicht belehren – aber was du da beschreibst, ist ziemlich exakt das Konzept von „life is feudal“. Schau mal auf deren Serverwahlseite – im Juli waren es 1260 von Spielern aufgesetzte Server (da habe ich das letzte Mal gezählt ^^). In der Early-access-Phase …
    Mir hat das komplette System bislang Spaß gemacht – vor allem aus den in deinem Beitrag geschilderten Gründen. Bin selber gespannt, ob die (eigenen) Erwartungen eintreffen.

    • Ich habe ja nirgends behauptet, dass die Idee neu wäre, ich wollte sie einfach nur mal hier vorstellen und darüber schreiben. Aber in der Tat, mir ist zwar Life is Feudal ein Begriff, aber das diese solch ein Server Konzept haben, war mir völlig neu, das muss ich mir echt mal ansehen wie diese das genau umzusetzen gedenken.

      Wenn ich allerdings von 1260 Servern höre, ist das genau das was ich bereits in meinem Artikel angesprochen habe. Das sind viel zu viele Server und damit ist die Gefahr groß, das kaum einer der Server richtig voll wird oder nur sehr wenige. Auf jeden Fall macht es für die Spieler nicht einfach für sich den passenden Server zu finden, auf dem sie dann auch frei spielen können, ohne der Angst der Server ist bald wieder weg weil er zu tot ist und der Betreiber des Servers die Lust deswegen daran verliert.

      Zu viele Server schaden jedem Spiel. Das sind ja mehr Server als so mancher vielgespielter EgoShooter hat. Und das soll wirklich ein richtiges MMORPG sein und nicht bloß eines bei dem ein paar Spieler zusammen spielen? Ausgelegt für zig hundert Spieler auf einem Server? Muss mir das echt mal näher ansehen.

      Edit: Ok, ich hab mal bei Nitrado geguckt: https://server.nitrado.net/deu/gameserver-mieten/life-is-feudal-your-own?pk_campaign=ENG_LifeIsFeudal

      4-64 Slots also bis zu 64 Spieler, das ist damit definitiv kein MMORPG sondern lediglich das was Jemand mal als „Mini MMORPG“ bezeichnet hat… Mini Massively… haha. 😉 Ich bezeichne so ein Spiel als MORPG, ohne Massively.

      Ich will damit aber sicherlich nicht das Spiel schlechtreden, wenn es gut funktioniert und viel Spaß macht ist es absolut toll, aber für mich in keiner Größenordnung von dem ich gesprochen habe. Ich sprach von über 1000 Spielern auf EINEM Server. Das würde dann auch die Kapazität eines Hosters wie Nitrado ziemlich übersteigen und damit wäre so ein Server auch nicht so billig, womit automatisch verhindert wird, dass tausende von Servern existieren sondern nur ein paar Dutzend und somit schön übersichtlich für die Spieler, die den richtigen Server für sich suchen.

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