Zwei Gründe warum MMORPG Welten nicht mehr funktionieren

Ein Problem heutiger MMORPGs ist sehr oft, dass ihre Welten nicht mehr wirklich funktionieren. Der Spieler fühlt sich dort nicht mehr wirklich zuhause, er fühlt sich nicht als würde er mit seinem Charakter in einer fiktiven Welt leben, umherzuziehen und dort Abenteuer erleben.

Dafür gibt es sicherlich diverse Gründe, wie das der Spieler viel zu schnell durch die Spielwelt gejagt wird und er von Quest zu Quest hetzt. Aber das sind Dinge, die erst in den letzten Jahren immer extremer wurden, dabei fing das Problem schon viel früher an.

Ein Grund, das schon sehr früh dazu beitrug, war das Schnellreise System in MMORPGs. Damit die Spieler auch ja schnell von A nach B kommen und ja nicht viel laufen müssen wurde das Teleportieren in MMORPGs eingeführt. Das führt dazu, dass man von der Spielwelt, außer den Städten mit den Teleport Portalen, nicht mehr viel von der Spielwelt erlebt.

Stellt euch einfach mal vor wir könnten uns auf der Erde derart herum teleportieren, dann würde sich die ganze Erde sehr schnell deutlich kleiner anfühlen, dann wäre die Erde am Ende als Ganzes „dein Zuhause“. Man hätte alles sehenswerte innerhalb weniger Jahre gesehen, da MMORPG Welten aber deutlich kleiner und einfacher gestaltet sind, dauert es hier nur wenige Wochen. Endergebnis: die ganze Welt fühlt sich deutlich kleiner an, viel zu klein. Dadurch werden die Welten auch bedeutungsloser und austauschbarer.

Ein weiterer Grund, der das Ganze noch verstärkt, ist die Minimap in den MMORPGs oder besser gesagt was auf dieser alles angezeigt wird. Inzwischen ist es längst Standard in dem Genre, dass Quest NPCs und Quest Ziele in der Minimap eingetragen sind, damit sie Jeder sehr schnell finden kann und sie nicht suchen muss. Dadurch geht extrem viel von der Erkundung verloren, die MMORPGs früher einmal mit ausmachten. Die Welt zu erkunden und interessante Dinge zu finden war einmal ein Bestandteil des Genres. Heute wird den Spielern fast alles auf der Minimap eingezeigt oder es ist so deutlich in der Spielwelt markiert (ein richtiges Leuchtfeuer über Objekten), damit der Spieler sie ja nicht übersehen kann.

Auf die reale Welt übertragen wäre das als wenn wirklich alles sehenswerte in Google Maps eingetragen wäre und so mit dem Smartphone und Google Maps in der Hand die Welt bereisen würde um die eingetragenen interessanten Orte zu besuchen. Aber da eine MMORPG erheblich kleiner ist, hat man auf diese Art die interessanten Orte sehr schnell alle gesehen und dem großen Rest braucht man ja gar nicht erst Aufmerksamkeit schenken, dort gibt es ja nichts interessantes zu sehen.

Kombiniert man das nun mit der Teleportation, hätten wir so alles interessante auf der Welt noch schneller gesehen, weil wir ja nicht erst danach suchen müssten. Wenn man also derart schnell alles gesehen hat, hätte ein Mensch bereits in jungen Jahren alles interessante auf dieser Welt gesehen. Geld lasse ich dabei bewusst außen vor, weil in einem MMORPG ist es keine Kunst genug Geld anzuhäufen um sich Jederzeit überall hin teleportieren zu können. Somit kann Geld auch kein Thema bei einem Vergleich mit einem fiktiven Realitätsvergleich sein. Wirkliche Armut gibt es in MMORPGs nicht.

Wie würde sich also eine Welt anfühlen, in der wir uns Jederzeit fast überall hin teleportieren könnten und so in sehr kurzer Zeit jeden Fleck der Erde erreichen könnten? 10 Uhr Berlin, 11 Uhr Südpol, 12 Uhr Tokio, 13 Uhr mitten auf dem Atlantik, 14 Uhr Hollywood, 15 Uhr Nordpol, 16 Uhr wieder Berlin. Wie würde sich das wohl anfühlen? Die Welt würde sich ein ganzes Stück kleiner und bedeutungsloser anfühlen, für manchen wäre der Planet Erde womöglich gar plötzlich zu klein und der Weltraum würde für viele plötzlich wesentlich interessanter. Was aber, wenn man sich Jederzeit auch auf den Mars und andere Planeten oder zumindest auf eine Raumstation in der Umlaufbahn der Planeten teleportieren könnte? Dann würde sehr schnell sogar unser Sonnensystem zu klein.

Und genau darum fühlen sich MMORPG Welten derart klein an, obwohl sie nicht klein sind. Müsste man den ganzen Weg immer durch die Landschaft zurück legen, würde sich alles viel größer anfühlen, so wie sich auch unsere Erde anfühlt. Wobei dank schnellen Flugzeugen und dem Internet die Welt schon deutlich kleiner wurde. In meiner Kindheit gab es noch kein Internet, da war Japan einfach nur ein Land weit weg auf der anderen Seite der Erde. Heute fühlt sich Japan viel näher an, dabei ist es immer noch genauso weit weg, aber dank Internet fühlt sich die Welt bereits deutlich kleiner an. Das ist im Grunde das gleiche Phänomen, kann aber nur Jemand nachvollziehen, der die Welt noch aus Zeiten ohne Internet kennt.

Und das waren jetzt nur die zwei ältesten Gründe wieso die MMORPG Welten nicht mehr richtig funktionieren, da kam danach genug noch anderes dazu, was ich glaub auch in anderen Beiträgen bereits angesprochen hatte.

3 Gedanken zu “Zwei Gründe warum MMORPG Welten nicht mehr funktionieren

  1. Ja die hohe Geschwindigkeit ist mit einer der Hauptgründe das MMORPG immer weniger ziehen.

    Der ganze Pfad den man folgt, hinterlässt immer weniger Seele, Tiefe und Miteinder stirbt ebenso aus.

    Was sind weitere Probleme?
    Zielorientiertheit!
    Das liegt vor allen auch daran, das Quests vor allem Solo extrem zugenommen haben.
    Dadurch erlebt man nicht mehr die Welt und verweilt eine ganze Zeit lang (Tage bis hin zu Wochen) an Orten und deren Umgebung. Man springt praktisch ständig nur noch von einem Punkt zum anderen und eben immer mit dem Ziel vor Augen, die Aufgabe zu erledigen. Dadurch das man nur noch unter diesem fast schon Zwang des ständigen Erledigen von Aufgaben für das Vorankommen unterliegt, erlebt man wieder diese eh schon geschrumpfe Welt nicht mehr, kapselt sich in seiner Einbahnstraße Richtung Endgame ab.

    Nächster Punkt der da mit einspielt sind Mounts.
    Mounts machen das ganze wieder schneller und geben der Zielorientiertheit weiteren Zunder. Vor allem Flugmounts sind große Inhaltsvernichter. Sie forcieren die Zielorientiertheit auf punktgenaue Erledigung, nehmen der Welt, dadurch das man alles schwierige übergehen kann, die Härte und auch sämtliche Geheimnisse weil man ja überall hin kann eben.
    Die Spannung solcher Spiele baut eben extrem ab und hinterlässt in einem rein nichts mehr.
    Man ist wie besessen davon schnell alles mitzunehmen, was irgendwie nur noch nützlich ist und Mitspieler sind eher eine Last und Hindernis.
    Fähigkeiten von Klassen wie Laufgeschwindigkeitsboni werden somit ausgehebelt und sind unnütz, wären aber ohne Mounts absolut willkommen.

    Weitere Probleme ist der Endgamefokus in Verbindung mit Bosse raiden und Items als Hauptanreiz für Charakterfortschritt.
    Man geht dazu über, das eigentlich nur noch das Endgame, also 10% eines solchen Spieles der eigentliche Inhalt darstellen und 90% des Spieles, werden übergangen und sind eher lästig. Die ganze Welt ist sinnlos und gibt einem nichts mehr. Der heilige Endcontent soll dann aber das alles ersetzen aber was gibt er einem? Eine Itemspirale die niemals zufrieden macht und immer wieder tauscht man nur die Objekte und die alten sind in dem Augenblick wertlos.
    Mitspieler werden zu Konkurrenten um Items und man bewertet sich anhand von Zahlen und stuft dann diese Mitspieler als für sich selbst wertvoll oder schwächlich ein. Der Mensch der eigentliche Wert und das was einem wirklich etwas zurückgeben kann, hat keine Bedeutung.

    Durch diese ganze Entwicklung, sterben auch die ganzen anderen Dinge ab, die MMORPG´s interessanter gestalten wie Munition, die es praktisch für Fernkampfklassen in fast keinem MMORPG mehr gibt. Ich glaube das alte Everquest 2 hat das noch ansatzweise, sonst fällt mir keines mehr ein.
    Berufe werden durch Items mit denen man Spieler überschüttet absolut unbedeutend bis auf wenige Ausnahmen wie evtl. Alchimie und deren Zusatznutzen. Aber leben tut jemand seinen iG Job schon lange nicht mehr. Es ist halt Mittel zum Zweck, wie fast alles.

    Die Kette, der Rattenschwanz der sich durch die Hauptgründe dann bildet und das Game, das Genre so wertlos, seelenlos und banal macht ist sehr lang.
    Dualskillung…, Umskillen für low, gar keine Skillungen mehr sind da nur die Folgen. Die Liste die man aufzählen könnte ist bei etwas Überlegung sehr lang geworden.

    Die Spielergemeinschaft wurde über die Jahre auch schleichend umerzogen und ist aktuell wie blind für die wahren guten Dinge. Sie rennen wie Lemminge gar nichts hinterher und halten das für gut und Entwicklung des Genres und für normal. Neue Spieler kennen nicht mal mehr die andere Seite. Für sie ist das so eben schon immer gewesen. Für sie ist es normal das die Welt und das Leveln eigentlich nur ein Training sind, ein Tutorial für das echte Spiel dann am Ende…

    Wenn ich heute ein neues MMORPG vernehme und dann bete, hoffentlich wirds wieder ein echtes MMORPG, ist man dann alsbald ernüchtert, wenn man liesst was geplant ist, was alles kommen soll..Schein und Illusion eines MMORPG´s..
    Man wartet und wartet und es kommt einfach nichts mehr. Die Geldhaie hinter den Entwicklern sehen nur noch das Geld.
    Die ganze Spieleschmiede ist nun schon seit Jahren dem Geld verfallen und unser profitorientiertes System wird auch hier nicht halt machen.
    Das wo geglaubt der meiste Umsatz zu erwarten ist, wird angestrebt. Daher auch immer die Auslegung für alle Bereiche, Konsolen, PC, Handy am besten auch. Eine breite Masse erreichen und so viel wie möglich einspielen.
    Das geht bei einer Art Kunst aber nunmal nicht auf. Und solche Spiele sind in gewisser Weise auch Kunst. Da muss man trennen und nicht ein breites Puplikum ansprechen, sondern ein Genre bedienen.

    Das wäre so, als wenn man versucht Horrorfilme so darzubringen, das darin neben Liebesstory, auch eine Komödie steckt und ein Scifi und naja für jeden eben was…Aber Horror in dem Sinne ist das dann nicht mehr.

    Und genau das Problem haben wir bei den Spielen heute. Es wird so gemacht das man viel Geld scheffelt und alle ansprechen will..Das ist aber nicht möglich, wenn die Spiele dann nicht gleichzeitig zu oberflächlichen Schrott werden sollen. Austauschbar durch die Bank weg.

    MfG

    • Da bleibt mir nur noch Amen zu sagen, volle Zustimmung in allen Punkten. Nur generell bei Spielen, da findet man bei den Indies noch echte Kunstwerke. Life is Strange zum Beispiel, Ori and the blind Forest und solche Titel, das sind klassische Spiele, die man noch als echte Videospiel-Kunst bezeichnen kann.

      Aber bei den MMORPGs? Da kann man lange suchen. Aktuell spiele ich gerade Black Desert Online, mehr als Solo Online RPG, nicht als MMORPG, weil vieles daran ist für ein MMORPG einfach nur grauenhaft. Mehr Solo geht kaum noch und nun finden auch noch Bots in Form von AFK Funktionen in das Genre… AFK Angeln und AFK zwischen zwei Punkten hin und her laufen/reiten um bestimmte Werte zu leveln bzw. Pferde zu leveln. Und natürlich finden das die meisten Spieler ganz toll, das Spiel spielt sich dann selbst während sie in der Schule oder auf Arbeit sind. Immer wenn du glaubst tiefer kann das MMORPG Genre nicht sinken kommt ein neues „MMORPG“ daher und beweist das Gegenteil… Als Solo Online RPG macht es mit seinen Sandbox Elementen und der schönen glaubwürdigen Spielwelt mit netten Side Storys aber durchaus Spaß. Ist halt wie immer, so schlecht es auch ist, das Potential für ein echtes MMORPG blitzt halt irgendwie immer irgendwo durch, was es nur trauriger macht. Bei BDO wäre das: kein Teleporten, keinerlei Instanzen, kein Gruppenfinder (gut, wozu auch, gibt ja kaum Gruppen Inhalte XD), eine bedeutsame Welt u.a. Kleinigkeiten, die das für ein echtes MMORPG sehr gut wären. Tja…

  2. 100pro Zustimmung, von jemand, der gerne jeden Winkel einer Spielwelt erforscht und heute noch die Map von Morrowind als vorbildlich ansieht.
    Das Ergebnis im game ist nicht nur eine Endcontent-Geilheit, sondern auch die Sucht nach immer neuem Endcontent in immmer kürzeren Zyklen. Und – selbstverständlich – XP-Booster-Packs, die den ‚armen Spielern‘ auch noch das ‚mühsame Leveln‘ bis dahin abnehmen …

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