Spieler generiertes Grinding

Fast jeder Spieler kennt dieses negativ behaftete Wort inzwischen: „Grinding“. Meist hört man es wenn kritisch über ein Spiel hergezogen wird. Aber ist es wirklich immer die Schuld des Gameplays eines Spiels? Ich behaupte: Nein, meist entsteht Grinding erst durch die Art wie Spieler ein Videospiel spielen.

Was ist Grinding überhaupt?

Als Grinding bezeichnet man Tätigkeiten in einem Videospiel, die sich aus schier endlos erscheinendem wiederholen von Gameplay Abläufen zusammen setzen.

Mal ein einfaches Beispiel. Ihr sollt in einem MMORPG für eine Quest 100 Holzbretter aus 50 Holz herstellen. Um 2 Holzbretter her zu stellen, müsst ihr 1 Holz zersägen in dem ihr ein kleines Minispiel spielen müsst. Um so auf 100 Holzbretter zu kommen, müsst ihr dieses Minispiel also 50 mal absolvieren.

Dies ist allein aber noch kein Grinding. Warum nicht? Weil das lediglich die Aufgabe ist, die durch eine Quest gestellt wird. Zum Grinding wird es erst durch die Art wie der Spieler diese Aufgabe nun erfüllt, denn es gibt nicht nur eine Möglichkeit.

Möglichkeit 1:

Der Spieler stellt alle 100 Holzbretter auf einmal her und absolviert somit 50x mal ohne Pause das Minispiel.

Möglichkeit 2:

Der Spieler teilt sich die Aufgabe ein und stellt immer mal wieder einige Holzbretter her bis er irgendwann 100 Holzbretter hergestellt hat.

Somit erzeugt Möglichkeit 1 bei vielen Spielern das negative Gefühl von Grinding, während die andere Möglichkeit dieses Gefühl erst gar nicht auslöst, aber dafür auch mehr Zeit benötigt um die Quest abzuschließen.

Sind wir mal ehrlich, absolut jedes Spiel besteht aus sich ständig wiederholenden Tätigkeiten. Bei einem Prügelspiel führt man ständig immer wieder die gleichen Tastendrücke für Kombos aus. Bei einem Rennspiel fährt man immer wieder die gleiche Strecke von A nach B. Bei einem Echtzeitstrategie Spiel baut man immer wieder die gleichen Dinge mit den gleichen Tastendrücken. Der Unterschied liegt lediglich darin was man am Ende für diese Tätigkeiten als Belohnung bekommt. Man fügt im Zweikampf dem Gegner besonders viel Schaden zu, legt im Rennspiel eine noch bessere Zeit hin und entdeckt bei letzterem neue und bessere Strategien und das alles um am Ende schlicht als Sieger da zu stehen. Es gibt daher kein Spiel, das keine sich ständig wiederholenden Tätigkeiten beinhaltet.

Das wiederholen von gleichen Tätigkeiten ist also nicht das eigentliche Problem hier. Nur wenn ein Spiel sonst keinerlei Alternativen anbietet um eine Tätigkeit durch eine andere Tätigkeit aufzulockern, kann man wirklich dem Spiel selbst die Schuld geben. Ansonsten ist es immer die Sache des Spielers wie er ein Spiel spielt und ob diese Grinding auslöst. In den meisten Spielen ist es daher ein von Spielern verursachtes Grinding.

Warum aber kommt es nun überhaupt dazu, dass Grinding seit Jahren gefühlt immer öfters als Kritikpunkt angeführt wird?

Auch das ist ganz einfach zu erklären. Es liegt an unserer heutigen Gesellschaft, die dermaßen schnelllebig ist und daher auch gerne als „Stress-Gesellschaft“ betitelt wird. Das färbt auch auf die Spieler ab, die einfach zu wenig bis keine Geduld mehr haben und alles so schnell wie möglich erreichen wollen. Und genau das ist das Problem, der schnellste Weg etwas zu erreichen ist so gut wie immer der Weg des Grindings. Ein Spieler, der so schnell wie möglich die Quest mit den 100 Holzbrettern abschließen will, wird immer zu Möglichkeit 1 greifen, niemals zu Möglichkeit 2, welche ihn vor Grinding bewahren würde.

Und genau deswegen hören wir ständig überall die Spieler wegen Grinding herumjammern und deswegen hat der Begriff eine inzwischen so negative Bedeutung, denn vielen ist gar nicht mehr bewusst, dass der Begriff ursprünglich mal eine völlig neutrale Bedeutung hatte und für viele Spieler sogar etwas positives war bzw. noch immer ist. Viele Spieler haben nämlich durchaus auch mal Spaß daran einfach mal für eine Weile zu grinden.

Wie Spieler an so etwas überhaupt Spaß haben können? Weil sie es im Gegensatz zu den anderen Spieler bewusst machen um Spaß daran zu haben und sich nicht zu etwas zwingen, was ihnen gar keinen Spaß bringt, nur weil sie keinerlei Geduld haben. Eigentlich sollte man nun meinen, das letztere Spieler aus dem „keinen Spaß haben“ lernen, leider kommt uns da aber wieder eine Unart der Menschen in die Quere, nämlich die, das wir Fehler zu oft bei Anderen suchen und nicht bei uns selbst. Und so wird auch in Zukunft fleißig über Grinding gejammert und Spiele für etwas abgestraft wofür sie nichts können.

Anmerkung: Dieser Artikel widerlegt damit auch eine andere Aussage, die man immer wieder gerne von Spielern hört: Man kann ein MMORPG nicht falsch spielen. Wenn ich mir durch meine Art zu spielen ein Spiel selbst kaputt mache, dann kann man das durchaus „falsch gespielt“ nennen. Darum passe ich mich an die Spiele an und erwarte nicht das Spiele sich an meine Art zu spielen anpassen. Aber das ist schon fast wieder ein Thema für einen extra Artikel.

2 Gedanken zu “Spieler generiertes Grinding

  1. Schön, mal wieder was von dir zu lesen, Balmung 🙂
    Spannendes Thema, mir fallen dazu noch ein paar Aspekte ein. Zunächst ist es völlig angemessen, auf die Spielerseite zu deuten; ich erlebe auch (zu) viele, die spielen, „um Zeit zu sparen“ … Selber lasse ich mich lieber in einer open world treiben, mache mal hier was, mal da was – und es kommt auch zu Resultaten. Allerdings muss das Spiel diese Spielweise hergeben.
    Und da sehe ich zwei Dinge in den Spielen, die dem entgegenwirken:
    Einmal ist oft der Fokus auf endcontent, gear, ‚Erster-Sein‘ gerichtet (auch weil damit viel Geld im shop zu verdienen ist). Spieler, die davon angesprochen werden (wie du sagtest: der Mensch ist eben so – jedenfalls im Moment), fahren ‚gezwungenermaßen‘ (vielleicht weil es sonst zu teuer wird) die ‚grinding-Schiene‘. Und jammern darüber.
    Zum anderen fehlen häufig die Alternativen; craften oder housing wird lieblos, um nicht zu sagen: schlampig, umgesetzt – vor allen in der späteren Spielerweiterung fehlt es es an Geschichte und Stimmigkeit (und möglicherweise an der Mühe, die sich Entwickler bei einem neuen Spiel geben (müssen)). Das ist die uralte Debatte über (wiederholbare) Quests im Spiel 🙂

    Das ist aber keineswegs eine Privatschuld der Entwickler; Grundlage für eine Spiel(weiter)entwicklung sind unter anderem die Daten der Spieler, die wir in jedem online game ‚freiwillig‘ und freizügig frei Haus liefern (ein Blick in die AGBs genügt). Hat man erst mal die Datenbasis, das digitalisierte Spielverhalten von Millionen Spielern über längere Zeit, kann man das analysieren und produzieren, ‚was der Spieler will‘. War der Fokus auf raids, gear, entcontent – wird man ‚entdecken‘, dass das Spielverhalten der Mehrzahl der Spieler darauf gerichtet ist – und wird das nächste game oder die Erweiterung entsprechend gestalten. Pech für die ‚Nischenspieler‘, deren etwas abweichende Spielweise in den Daten vernachlässigbar klein ist.
    Das Ganze hat einen fatalen Rückkoppelungseffekt: Spielstruktur -> Spielverhalten/Spielweise -> Grundlage fürs nächste Spiel usw. Dies umso mehr, als die Produktion eines Spiels inzwischen teurer geworden ist, als die eines Spielfilms…
    Bleibt nur, auf die Faßbinders bei den Produzenten zu hoffen …

    • Kann ich dir natürlich nur Recht geben. Im Grunde ist das Grinding Problem gerade in MMORPGs nur ein weiteres Symptom was in dem Genre alles schief gelaufen ist. Man wollte unbedingt die breite Masse rein holen, das ist nun das Ergebnis davon. 😉

      Ich hab ja das Thema mit Absicht in die Tellerrand Rubrik reingepackt, da es dabei nicht nur um MMORPGs geht.

      Als ich den Artikel schrieb hatte ich vor allem auch Elite Dangerous im Sinn, von dem ich gar Kickstarter Backer bin. Das Spiel hat eigentlich so gar nichts drin was einen Spieler dazu bewegt so schnell wie möglich das fetteste Schiff haben zu müssen. Es gibt keinen Endcontent (das Spiel ist quasi der Endcontent), keine Dinge die so bedeutend sind, dass Erster zu sein Grinding hervorrufen könnte und es gibt auch kein Shop in dem man sich Abkürzungen kaufen könnte, nur 100% kosmetische Dinge.

      Und trotzdem gibt es gerade bei dem Spiel ständiges rumgenörgel von wegen zu viel Grinding, während viele Andere inkl. mir das nicht nachvollziehen können. Absolut nichts zwingt einen wirklich zu Grinding, der Zwang geht nur vom Spieler aus weil er unbedingt schnell an Credits und an das fette Schiffe seiner Wahl kommen will. Während Andere einfach gemütlich spielen und mit der Zeit genug Credits anhäufen um sich das nächst größere Schiff zu kaufen und es nach und nach gemütlich aufrüsten, ganz ohne Zwang und daher ohne jegliches Gefühl für Grinding. Eben Möglichkeit 1 und 2 aus dem Artikel.

      Bei den MMORPGs ist das viel Handfester an den heutigen Inhalten festzumachen. Da ist oft klar wieso die Spieler zum Grinding neigen und da kann ich dir nur mit allem Recht geben. Vor allem weil die Firmen sich eben nun mal diese Zielgruppe auserkoren hat und trotzdem jammern nicht wenige immr wieder über Grinding. 😉

      Was mich da primär immer stört ist wie die Firmen die Kunden aussuchen. Das was die Meisten mögen wird gemacht, wer nicht dazu gehört hat einfach Pech gehabt, aber dein Geld nehmen wir natürlich trotzdem gerne, entsprechend wird dann das Spiel beworben. Wenn man wenigstens ehrlich werben würde und auch nur für die Zielgruppe die man wirklich ansprechen will, aber nö, Geld ist eben Geld und um Geld dreht sich alles.

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