Könnte Deep Learning die MMORPGs revolutionieren?

Spätestens seit Deepminds Alpha Go KI ist Deep Learning für viele ein Begriff. Dabei geht es im Prinzip um künstliche Intelligenzen aus dem Computer, die selbstständig bei ihrem Einsatz lernen, sich dadurch selbst verbessern und am Ende den Mensch dadurch übertreffen. So sehr das eben ein Computer mit einer solchen KI auch den besten Go Spieler auf Erden schlagen kann.

Deep Learning ist daher ein sehr interessanter Ansatz für vielerlei Problemlösungen. DeepL ist zum Beispiel ein deutscher Service, der Übersetzungen von Texten ermöglicht und dabei selbst den Google Übersetzer und andere ähnliche Dienste schlägt, wenn es darum geht inhaltlich korrekte Übersetzungen anzufertigen. Und das alles dank Deep Learning. Wer kennt die berühmten Google Übersetzungen nicht, die oftmals kaum noch einen Sinn ergeben.

Wieder ein anderes Beispiel ist die Plattform Amper Music. Hier erzeugt eine KI mit Hilfe von Deep Learning ganze Musikstücke, deren Kompositionen so gut sind, dass man sie nicht mehr von Menschen erstellter Music unterscheiden kann. Was Musik Künstler allerdings mehr als Werkzeug für ihr kreatives Schaffen sehen und weniger als Gefahr für ihr künstlerisches Dasein.

Was könnte uns das aber im MMORPG Genre bringen?

Gerade in Videospielen, wie MMORPGs nun mal auch welche sind, kann diese Vielseitigkeit von Deep Learning in vielerlei Hinsicht helfen vor allem Kosten zu reduzieren.

Zum Beispiel könnte die KI das komplette Balancing in MMORPGs in allen Aspekten übernehmen. Das würde nicht nur den Entwicklern eine ganze Menge Arbeit abnehmen, es würde auch dabei helfen das Balancing ständig anzupassen. Das heißt sobald irgendwo etwas aus dem Ruder läuft, kann es auch sofort von der KI korrigiert werden. Dadurch könnten wir sogar ein so gutes Balancing erreichen, wie es zuvor noch in keinem MMORPG existierte.

Ein anderes Beispiel wäre das erstellen von Inhalten. Während Entwickler oft wegen der Menge an Inhalten, die sie generieren müssen, an der Qualität dieser Inhalte sparen müssen und diese daher sehr generisch wirken, kann eine KI deutlich aufwendigere Inhalte in kurzer Zeit erstellen und dank Deep Learning wirken diese auch nicht generisch, da die KI ständig selbst dazu lernt.

Aber nicht nur Quests könnten damit erzeugt werden, nein, das geht noch viel weiter. Ganze Landschaften könnten mit solch einer KI erstellt werden und auch hier würden diese dank Deep Learning viel natürlicher wirken. Deep Learning besteht eben nicht nur aus starren Algorithmen nach denen dann der Inhalt generiert wird, wie man es zum Beispiel von prozeduraler Generierung kennt, selbst die könnte dank Deep Learing einen riesigen Schritt nach vorne machen.

Auch könnte man bei der Kommunikation zwischen Spielern auf eine ähnliche Lösung wie DeepL zurück greifen und so Texte inhaltlich korrekt in andere Sprachen übersetzen und damit das Kommunikationsproblem unter Spielern unterschiedlicher Sprachen endgültig beheben.

Sicher, es wäre erst mal ein gewisser Aufwand all dies überhaupt erst mal zu programmieren um so weit zu kommen, aber danach hätte man ein sehr mächtiges Werkzeug, das es sogar ermöglichen könnte, dass wir hochwertige Indie MMORPGs sehen könnten, die dank niedriger Kosten eine Qualität bieten, die jetzige MMORPGs wegen ihrer Kosten schon lange nicht mehr bieten können, weil sie auf eine viel zu große Spieler Basis abzielen müssen.

Mit einer solchen Engine, wenn man diese ähnlich wie Unity3D oder Unreal Engine 4 MMORPG Entwicklern anbieten würde, dürften die laufenden Kosten eines solchen MMORPGs erheblich geringer sein und somit wären auch hochwertige MMORPGs von kleinen Entwicklern möglich, die auf eine kleine Spieleranzahl abzielen und so wieder richtige Zielgruppen haben könnten. Denn für ein funktionierendes MMORPG braucht es nur eine ausreichend gefüllte Server Welt und nicht mehr und da reicht oft ein kleiner Bruchteil von einer Million Spielern.

Vor allem könnte es ein Problem beseitigen, welches das Genre schon immer hatte: Spieler spielen neue Inhalte schneller durch als sie die Entwickler herstellen können. Das kann bei einer KI, die das übernimmt, nicht mehr passieren und das hätte nur Vorteile für alle.

Es müsste eben nur Jemand so etwas entwickeln, damit es andere lizenzieren können und so die Entwicklungskosten auch mehr verteilt werden, weil diese dürften auch nicht ohne sein, da viel Pionierarbeit geleistet werden müsste. Aber ich finde die Idee hat sehr viel Potenzial.

Wobei es eigentlich nicht mal meine Idee ist, denn im Grunde gibt es das schon, wenn auch nur fiktiv in Sword Art Online. Das dort genannte Cardinal System ist nichts anders als eine KI, die für das komplette Balancing in diesem fiktiven VRMMORPG sorgt und später auch eigene Quests und ganze Questreihen erzeugt, in dem es Material aus unseren Geschichten zieht, wie zum Beispiel der nordischen Mythologie. Und auch eine solche Engine gibt es quasi dort und nennt sich „The Seed“.

Daher denke ich auch, dass eine solche Engine die Chance für das Genre sein könnte, doch noch mal einen Sprung vorwärts zu machen, anstatt ständiger Rückschritte.

2 Gedanken zu “Könnte Deep Learning die MMORPGs revolutionieren?

  1. Hmh, da finde ich doch Salz in der Suppe …
    Zu Deep Go: zum ersten Mal hat ‚die Menschheit‘ etwas programmiert, dessen (Lern-) Verhalten sie nicht mehr versteht. Wie die Entwickler von Deep Go zugaben. Es klingt banal, aber mir scheint das ein qualitativer Schritt zu sein. Kontrollverlust über KI ist kein Scherz, den man mit ‚aber wir haben den Finger am Stromschalter‘ übergehen könnte.
    Beim Einsatz im MMORP-Bereich hätte ich einen massiven Einwand: Das Lernen und die Produkte der KI hängen vom Input ab. Der massive Input von Mainstream-Spielern würde (beim balancing/Inhalte generieren) exakt mehr mainstream-Inhalte und plattes Balancing generieren. Wie es vermutlich jetzt auch schon läuft – schließlich soll mit Spielen Geld verdient werden.
    Beispiel: merkt der Entwickler, dass die Spieler verrückt nach Skins sind und dafür viel tun (Geld ausgeben), wird er das ganze Spiel darauf fokussieren (Rift zeigt für mich eine solche Entwicklung). Warum sollte das eine KI nicht tun (erst Recht, wenn sie entsprechende Vorgabe-Parameter auf den Weg bekommt)? Also würde sie Quests/Inhalte entwickeln, die dem Input entsprechen.

    Was Landschaften/Szenarien betrifft: No man’s sky zeigt einen Weg, wie man (Stand letztes Jahr) eine vielfältige Welt produzieren kann. Ok, sie könnte besser sein – oft genug sieht man an den Ergebnissen, mit welchen Parametern das Programm arbeitet. Aber diese zu bestimmen, sollte Part menschlicher Kreativität sein.

    • KIs mit Deep Learing sind ja noch keine richtigen KIs. Selbständig denken können diese auch nicht, nur in den Bereichen der vorgegebenen Parameter. Und das Menschen einer KI nicht mehr wirklich folgen können… tja, Natur der Sache, schließlich will man eine KI entwickeln, die um ein vielfaches intelligenter und schneller als ein Mensch sein soll. Wie will man da noch Schritt halten können und alles verstehen können, geht gar nicht, das widerspricht sich einfach gegenseitig. Dann darf man erst gar nicht mit KIs anfangen. Und ja, ich sehe das auch kritisch, vor allem da natürlich auch das Militär daran Interesse hat…

      Was für Inhalt generiert werden bestimmten die Entwickler mit ihren Parametern und daraus lernt sie dann, Entwickler können aber immer noch eingreifen wenn sich das Balancing zu sehr in eine ungewünschte Richtung verschiebt.

      Und natürlich gehe ich bei so einem Artikel nicht von unserem Ist Zustand aus, sondern von einem Idealzustand. Ansonsten könnte ich mir das alles auch direkt sparen und die Seite dicht machen. Wenn wir immer nur pessimistisch denken, dann braucht man über so etwas gar nicht erst zu diskutieren. Das es auch anders geht zeigt zum Beispiel Star Citizen. Ob da ein Geldgieriger Publisher hinter sitzt, das haben die Entwickler selbst in der Hand, wenn sie es sich einfach machen wollen an genug Geld zu kommen. Ansonsten machen sie es wie Star Citizen. Und im Grunde soll auch in Star Citizen ständig neue Quests automatisch generiert werden, wie weit sie da im Hintergrund gehen, keine Ahnung. Vielleicht sind es da nur Formeln bzw. Prozedurale Generierung, vielleicht forschen sie aber selbst schon an Methoden Deep Learning dabei einzusetzen. Die Entwickler sind ja eh am ständig neu erfinden, weil Dinge mit bisherigen Techniken nicht möglich sind.

      Warum sollte das Part menschlicher Kreativität sein? Nur damit es vom Menschen kommt und nicht von einer KI? Das eine KI kreativ sein kann hat schon Amper Music bewiesen. Die KI muss ja auch nicht für alles im Live Betrieb genutzt werden, eine KI kann so eine Spielwelt auch während der Entwicklung generieren und das Endprodukt wird dann ohne KI dahinter im live Betrieb genutzt. Ein KI mit Deep Learing als Entwickler Tool sozusagen, warum auch nicht? Spart massiv Kosten. Wobei gerade für Instanzen so eine KI im Live Betrieb nicht schlecht wäre, da sie so immer die Instanzen umgestalten kann.

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