Der Wert einer Gilde

Bestimmte Begriffe stehen normalerweise im Alltag für einen gewissen Wert. Zum Beispiel Freundschaft, kaum Jemand käme wirklich auf die Idee Jemanden, den er erst seit wenigen Minuten kennt, direkt als Freund zu sehen. Eine Freundschaft zu einem anderen Menschen muss quasi erst erarbeitet werden, die andere Person muss sich erst beweisen, dass sie es würdig ist so genannt zu werden. Sprich Freundschaft steht für bestimmte Werte, zum Beispiel dieser Person wirklich vertrauen zu können ist einer davon.

Auch das Wort Gilde stand einmal für bestimmte Werte, die gar nicht so unähnlich waren.

Allein schon einer Gilde anzugehören war schon mal etwas besonderes. Gilden hatten klare Ziele, die manche größere Gilden zwar immer noch haben, aber der Großteil der Gilden sind, wie ich es nenne, bessere Freundeslisten. Freundeslisten mit dem Vorteil von Gilden Features.

Somit haben Gilden heute kaum noch einen wirklichen Wert, weil sich jede kleine Gruppe, selbst wenn sie sich erst wenigen Minuten kennen, einfach mal eine Gilde gründen können. Zu verdanken haben wir diese Entwicklung dem vor vielen Jahren in Mode gekommenen Trend, das Jeder alles haben können muss und das für möglichst wenig Gegenleistung. Ich hab heute noch die „Ich will auch eine eigene Gilde!“ Schreier von damals im Ohr… Eine Gilde ist nichts was verramscht werden sollte wie auf dem Jahrmarkt, da die Gilden ein sehr wichtiger Bestandteil der Community in der Spielwelt sind.

Normalerweise sollte eine Gruppe von Spielern zuerst einmal beweisen, dass sie würdig sind eine Gilde zu gründen. Was bedeutet das mindeste was eine Gruppe für eine Gilde machen muss, sollten Gruppenaufgaben sein, die sie erst mal gemeinsam abschließen müssen, ehe sie näher an das Ziel Gilde kommen. Und eine Gilde sollte auf jeden Fall laufende Kosten haben, die regelmäßig gezahlt werden müssen. Nur weil man einmal würdig war eine Gilde zu gründen bedeutet das nicht, dass die Spieler diese bis in alle Ewigkeit auch besitzen dürfen und nichts mehr dafür tun müssen.

Eine Gilde sollte nichts sein, was aus einer Laune heraus einfach mal gegründet wird, Spieler sollten es sich vorher gründlich überlegen müssen, ob sie den Aufwand einer Gilde wirklich betreiben wollen. Diese Masse statt Klasse bei Gilden zerstört einfach zu viel und macht es unsäglich schwer die richtige Gilde zu finden, vor allem da die Gilden immer das blaue vom Himmel versprechen und wenn man dann beitritt schnell merkt, dass das nichts als schöne Worte waren und du als Spieler eher mal wieder auf einer besseren Freundesliste gelandet bist, weil Jeder sein Ding macht und Niemand sich wirklich für die Gilde einsetzt. Solche Gilden machen gefühlt in heutigen MMORPGs mindestens 95% alle Gilden aus.

Im Grunde sind Gilden heute für die meisten Spieler wirklich nur noch pure Zweckgemeinschaften, um einen eigenen Chat Kanal zu haben, vielleicht noch eine Gildenbank um einfacher Items los zu werden, die man selbst nicht gebrauchen kann. Aber wer kann heute wirklich noch mit Stolz sagen, dass er Mitglieder einer Gilde ist? Früher hat allein schon das angehören zu einer Gilde schon einen Wert gehabt, heute würde man für ein freudiges „Ich bin jetzt Mitglied einer Gilde!“ nur noch komisch angeguckt. Teilweise muss man ja schon davon rennen, damit man nicht ständig von wild fremden Gilden einfach ungefragt in eine Gilde direkt als Mitglied eingeladen wird… „Willst du der Gilde XYZ beitreten?“ ein Klick auf „ja“ und schon ist man Mitglied einer Gilde von der man vorher noch nie was gehört hat… Ja, sehr toll! *Ironie*

Wie könnte das alles besser umgesetzt werden?

Ich würde das völlig anders angehen, zuerst einmal muss sich Jeder erst mal das Recht erspielen überhaupt eine Gilde gründen zu dürfen, dabei müssen die Anforderungen für das Recht allein nicht mal besonders hoch sein, es reicht eine Stammgruppe, die eine gewisse Zeit zusammen gespielt hat und somit bewiesen hat, dass seine Spieler zusammen zurecht kommen.

Damit so etwas möglich ist und auch damit es einen Ersatz für Spieler gibt, die eigentlich nur eine bessere Freundesliste wollen, würde ich die Stammgruppe als Feature einführen für kleine Gruppen von Spielern, die eh ständig zusammen spielen. Diese Stammgruppe besteht dann z.B. aus 2-20 Spieler, hat das Recht sich selbst einen Namen für die Gruppe zu geben, wie eine Gilde eben auch, und bekommt ein paar Features an die Hand wie eine Liste der Mitglieder mit üblichen Informationen, wie man sie auch einer Gilde kennt, auch bekommt sie einen eigenen Stammgruppen Chat. Natürlich braucht es auch ein sehr einfaches Rechtesystem um zumindest festlegen zu können wer der Anführer der Gruppe ist und wer neue Spieler einladen darf bzw. Spieler kicken darf, Ränge gibt es aber nicht.

Ist diese Stammgruppe nun lange genug zusammen, spielt auch zusammen und weist ein Mindestmaß an Aktivitäten vor, bekommt die Stammgruppe, die aus mindestens 7 Spielern bestehen muss, irgendwann das Recht für eine kleine Geld Summe sich für eine Gilde bewerben zu dürfen. Im Gegenzug bekommt die Stammgruppe dann Aufgaben gestellt, die vor allem darauf abzielen, dass die Stammgruppe beweisen soll, dass sie würdig für eine Gilde ist. Also vor allem Gruppenaufgaben, die auch den Zusammenhalt der Gruppe auf den Prüfstand legen.

Schafft die Stammgruppe diese Aufgaben, dürfen sie sich ab sofort Gilde nennen und bekommen weitere Features dazu, wie eben die üblichen bekannt, das Recht auf ein eigenes Gildenhaus, ein eigenes Gildenabzeichen, Ränge und eine unbegrenzte Anzahl an möglichen Mitgliedern.

Jedoch kommen mit der Gilde dann auch Pflichten mit ins Spiel. So darf die Mitgliederzahl niemals unter 3 Spieler fallen, ansonsten wird die Gilde nach 24 Std. automatisch aufgelöst. Das gleiche gilt für inaktive Gilden, diese werden ebenfalls innerhalb einer Frist aufgelöst. Eine Gilde muss zudem eine regelmäßige Gebühr entrichten, wird diese nicht bezahlt wird auch hier die Gilde aufgelöst. Sollten sich dabei verkaufbare Item im Gildenlager befinden, landen diese alle im lokalen Auktionshaus.

Mir ist durchaus bewusst, dass das ein heikles Thema ist, vor allem für gewisse Spieler, die alles geschenkt haben wollen oder gar meinen als eine Ein-Mann-Gilde rumrennen zu wollen. Aber die Stammgruppe als weiteres Feature im Spiel, sollte für viele ausreichender Ersatz sein und Ein-Mann-Gilden ist sowieso absolut lächerlich und sollte es niemals in MMORPGs geben. Mit so einem System wird das verhindert und Gilden bekommen wieder mehr an Bedeutung zugesprochen. Auch wird es mit dem System deutlich schwerer zu schummeln, so gehen ja viele Spieler ganz gerne hin und füllen die Gilde mit eigenen Twinks auf, um genug Charaktere zu haben um eine Gilde haben zu können, aber in Wirklichkeit ist es eben immer noch nur ein einziger Spieler. Will mal sehen wie so ein Solo Spieler die Gruppenaufgaben für die Gildengründung bestehen will bzw. überhaupt so weit kommen will, wenn ja schon eine Gruppen Aktivität in der Stammgruppe vorhanden sein muss um sich überhaupt bewerben zu dürfen.

Sicherlich gibt es für diese Ideen noch Verbesserungsbedarf, vieles davon beruht auf Dingen, die ich schon seit Jahren im Kopf hatte, aber das ein oder andere kam erst jetzt noch beim schreiben mit dazu. Von daher ist das nur als grober Ideen Entwurf zu sehen, wie eigentlich alle meine Ideen, denn für eine richtig ausgearbeitetes Konzept müsste das alles noch viel mehr ins Detail gehen, was aber meiner Meinung nach doch etwas zu viel für einen einfachen Blog wäre. Ich denke die Grundideen dahinter sollten verständlich sein.

6 Gedanken zu “Der Wert einer Gilde

  1. Wieso zuviel? Wenn du meinst ‚Definition zu schwierig‘ – fast d’accord. Man könnte natürlich trotzdem mal anfangen, gerade im Rahmen eines Blogs/Essays. Das wäre dann letztlich das Thema ‚mit wem würde ich gerne spielen?‘ ^^

    • Das Problem bei dem Thema ist sobald es ins Detail, ganz grob könnte ich schon sagen was ein ernsthafter MMOler ist, nur vermutlich würden mir da nur extrem weniger zustimmen und eher viele dagegen Sturm anlaufen. Ist ein heikles Thema, bei dem sich Manche doch schnell angegriffen fühlen. ^^

      Bei mir geht es teilweise auch schon nicht mehr um die Frage mit wem ich gerne spielen würde sondern welche Sorte Spieler ich am liebsten aus dem Genre draußen hätte und das betrifft teilweise doch einen sehr ordentlichen Teil der heutigen MMOler. ^^

  2. Gefällt mir sehr: Ist-Zustand treffend beschrieben; die Erfahrungen und Erwartung teile ich; die Vorschläge sind passend und weiterführend.
    Nur… (ich weiß, ich bin hoffnungslos) eine Ergänzung: die Möglichkeit, mit einem Haufen twinks allein oder zu zweit Gilden zu gründen, ist ein Geschäftsmodell, viele twinks (= als ‚Anmeldungen‘ zu verkaufen) heranzuziehen, letztlich die Kunden stärker zu binden (8 chars gibst Du schwerer auf als 1). In Lotro habe ich gesehen, daß (recht unauffällig) plötzlich jedem account auf jedem Server 4 statt vorher 3 chars möglich waren [Nicht-VIPs] – 7 braucht man für eine Gilde. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Klar korrespondiert das mit der Gier, alles – und zwar sofort – haben zu wollen (das habe ich früher auf der Straße skandiert; wenn ich gewußt hätte, wohin das führt 🙂 ). Und zerstört das Prinzip ‚Gilde‘ als soziales Konstrukt, als MMO-Stütze sozusagen.

    • Nunja, ich denke bei derartigen Beiträgen immer nur an das was für das MMORPG selbst gut wäre, nicht direkt an die Spieler und erst recht nicht was für den Geldbeutel der Firmen gut ist, der interessiert mich bei so einem Thema absolut null bzw. ich ignoriere so etwas gar mit Absicht, weil für mich kommt Grundsätzlich zuerst das Spiel, dann lange nichts, dann die Spieler und dann die Firma. Seit Jahren steht ja eher das Spiel an letzter Stelle, die Spieler „scheinbar“ an erster, in Wirklichkeit aber die Firma und ihr zu erwartenden Einnahmen. Aber das wird zum Teil sicherlich auch noch ein Blog Eintrag werden. 😉

      Ein MMORPG lebt ja eigentlich davon, das man sich ständig immer wieder neues „erarbeiten“ muss und so ständig neue Ziele hat und das nach Möglichkeit über viele Monate hinweg. Das Spieler nicht begreifen, dass alles sofort haben zu wollen ihren Dauerspielspaß zerstört… irgendwie wiederum unbegreiflich für mich. Aber auch das wird definitiv noch ein Thema eines Blog Eintrags werden. 😉

      • Mhm, na gut, wenn Du das Umfeld (und die Gestehungsprinzipien) von MMORG ausblenden willst, dann werde ich mich (vorerst) dran halten :-). Meine nächste Überlegung wäre nämlich gewesen, die Sache mal ganz von hinten aufzuzäumen und der Frage nachzugehen: warum verlassen eigentlich Spieler ein (bestimmtes) MMORG?

        • Ich blende das nicht völlig aus, nur bei gewissen Themen und vor allem wenn es um Ideen geht, weil bei der aktuellen Community das eh ein unmögliches Thema ist. Bei manchen Spielersorten bin ich eher froh wenn sie früh aufhören und einfach weg sind, leider tun die mir den Gefallen so gut wie nie. 😉

          Grundsätzlich ist die Frage sicherlich interessant, wenn man gewisse Spielergruppen einfach ausblendet und nur ernsthafte MMOler berücksichtigt, aber allein das Thema, was denn ernsthafte MMOler sind, ist schon zu viel. ^^

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