Der große MMORPG Spieler Kindergarten

Was ist eigentlich in dem MMORPG Genre wirklich schief gelaufen?

Natürlich haben die Firmen zu schnell nur noch eine Geld Druckmaschine in den MMORPGs gesehen und es gibt diverse andere Gründe. Aber vor allem sind es für mich die Spieler, die das Genre hauptsächlich irreparabel kaputt gemacht haben.

Die ersten Jahre lief wunderbar, bis dann ein gewisser Hype um das Genre losgelöst wurde, spätestens mit dem Erfolg von World of Warcraft. Plötzlich war es in ein MMORPG zu spielen und genau hier fangen die Probleme an.

Nur weil ein Genre gerade angesagt ist und ein Spieler dadurch ebenso angefixt wird unbedingt auch ein solches Spiel spielen zu müssen, heißt das nicht automatisch, dass das Genre auch für diesen Spieler gemacht ist. Mir selbst zum Bespiel ging es so mit Echtzeit Strategie Spielen, die auch mal angesagt waren mir aber grundsätzlich einfach nicht liegen und so musste ich das Genre für mich eben abschreiben. Nur das entspricht eben nicht dem Verhalten der Masse.

Als die MMORPGs plötzlich so einen Hype erlebten strömten plötzlich Spieler in das Genre, die vorher noch nicht einmal mit RPGs etwas zu tun hatten. Und schon ging das laute Gejammer los:

  • das MMORPG ist viel zu schwer
  • das Leveln dauert viel zu lange
  • da ist viel zu viel Grinding drin
  • das ist alles viel zu Zeitaufwendig, so viel Zeit hab ich aber nicht
  • der Einstieg ist viel zu schwer, da braucht man ja ein Studium dafür
  • das Abo ist viel zu teuer
  • ich hab einen Fehler gemacht, ich will mein Gegenstand zurück haben!
  • Auf Entscheidungen hab ich kein Bock, ich will alles rückgängig machen können

Und so weiter und so fort. Alles Dinge auf die man nur mit einem Satz von Seiten der Entwickler hätte richtig Antworten sollen:

Tut uns leid, aber dann habt ihr euch für das falsche Spiel / das falsche Genre entschieden!

Aber natürlich hat man das nicht gemacht und den Grund habe ich ja bereits genannt: Geld Esel.

Und so kamen immer mehr Spieler in ein Genre, das nicht für sie gemacht wurde und das ruinierte schlicht das Genre für immer. Und das ist auch mit der Hauptgrund wieso fast jedes neue MMORPG zum scheitern verurteilt ist, wegen der MMORPG Spielerbasis, die schlicht nichts mehr wert ist.

Wie sind denn die heutigen MMORPG Spieler drauf?

  • alles muss schnell schnell gehen
  • auf keinen Fall zu viel Herausforderung, für manche Feierabendspieler am Besten gar keine
  • absolut keine Geduld mehr,  dauert etwas auch nur ein wenig länger wird sofort daran rumgemeckert oder es gleich als Grinding beschimpft.
  • am Besten so viel Automatisieren wie nur geht
  • völlig asoziales Verhalten im Sinne von… man geht nicht offen auf alle Spieler zu sondern kapselt sich ab wo es nur geht. So wenig Kontakt mit anderen Spielern wie möglich. Das gilt auch für kleine Gruppen von Spielern aber auch für so manche Gilde.

Das alles läuft völlig entgegen dem was ein MMORPG ist. Und entweder müsste man sagen, dass die heutigen MMORPGs keine MMORPGs mehr im eigentlichen Sinne des Genres sind oder das die Spieler keine MMORPG Spieler sind, sondern irgendwas anderes wollen, aber ganz sicher KEIN wirkliches MMORPG.

Ich würde sogar inzwischen behaupten, dass die Anzahl der eigentlichen MMORPG Fans niemals großartig angestiegen ist, die Zahl wurde lediglich durch die breite Masse an „möchtegern“ MMORPG Fans, die auch unbedingt mitspielen und dazu gehören wollten, immer mehr verwässert.

Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass die meisten „MMORPG Fans“ nicht mal ein MMO spielen wollen, denn ein MMORPG völlig allein, mit einer kleinen festen Gruppe oder einer kleinen Gilde zu spielen und allen anderen Spielern aus dem Weg zu gehen, hat mit dem Sinn eines MMORPG absolut nichts mehr Gemein, denn die soziale Komponente machte immer mit Abstand den größten Teil dieses Genres aus.

Wirklich übel nehmen kann ich den Spielern dieses Abschotten aber nicht, denn durch die breite Masse sind derart unterschiedliche Spieler aus den unterschiedlichsten Gründen in der virtuellen Spielwelt unterwegs, dass der Kontakt mit einem fremden Spieler leicht darin enden kann, dass dieser einem den Spielspaß mit seinem Verhalten versaut.

Und so sind diese Spiele seit Jahren nur noch Ramschtitel für den Massenmarkt ohne MMORPG Seele, nur mit aufgedrucktem „MMORPG“ Siegel, der nichts mehr Wert ist. Über die ehemalige MMORPG Spieler nur zu gerne herziehen, ohne aber jemals wirklich verstanden zu haben, dass sie mit Schuld für die Entwicklung des Genres sind. Wie eben Egoisten so gerne denken: Schuld sind immer die Anderen. Und bei zu vielen Spielern sind immer die Spiele schuld, niemals sie selbst.

Ein Beweis dafür ist auch die inzwischen längst in die Jahre gekommene Urbane Legende:

„Ein MMORPG kann man gar nicht falsch spielen.“

Millionen von Spielern haben über weit mehr als 5 Jahre bewiesen, das man ein MMORPG nicht nur etwas falsch spielen kann, nein, sondern sogar völlig falsch.

Zum Schluss möchte ich noch ein kurzes Beispiel nennen:

Als damals Aion mit dem aller ersten Trailer angekündigt wurde, wurde es auch direkt als PvPvE MMORPG beworben. Jeder geistig gesunde Mensch denkt sich nun hier: „Ok, das MMORPG ist also nichts für reine PvE oder reine PvP Spieler“.

Natürlich denkt die breite Masse der MMORPGler nicht so, wäre ja auch zu einfach, die dachte sich wohl PvPvE bedeutet ein MMORPG für PvE und PvP Spieler, ist ja auch so schwer zu verstehen.

Und so kam es wie es kommen musste… nach dem Release jammerten sowohl PvE only Spieler über PvP sowie PvP only Spieler über PvE… (von dem Gejammer über Grind fangen wir erst gar nicht an). Das kommt eben dabei raus, wenn Spieler ein Spiel spielen, das nicht für sie gemacht ist und dem Betreiber Geld wichtiger ist als zu sagen „Sorry, dann seid ihr hier falsch“. Und genau darum ist die MMORPG Community seit Jahren nur noch ein einzig großer Kindergarten.

4 Gedanken zu „Der große MMORPG Spieler Kindergarten“

  1. Eigentlich wollte ich jetzt die Chancen rausarbeiten; was man mit der verfahrenen Spielersozialisation machen könnte. Kein Spieler wird als Depp geboren – am Anfang, denke ich, sind alle neu, interessiert, wollen was lernen, was können, gut sein – usw.
    Dann werden sie in den MMOs ’sozialisiert‘.
    (Einschub: ich hab das mal mit ‚Schachkindern‘ und Jugendlichen erlebt. Erlebt, was man da erreichen kann … ok, ist nicht dasselbe, ich weiß).
    Aber gerade habe ich wieder eines dieser Erlebnisse gehabt: Meine höflichen Einwände gegen öffentliches Spoilen im Chat (Lösung von Event-Rätseln und so) haben im chat ein hating und flaming ausgelöst, dass mir die Ohren glühen. Und glaub mir, ich kann was ab 🙂
    Da geht’s dann nie um die Sache… und wenn sich das durchsetzt und verfestigt … dann hast du voll und ganz recht.
    Seufz…

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    • Ohja, so ähnliche Geschichten im öffentlichen Chat hab ich oft genug erlebt. Ein freundlicher Hinweis und ab gehts.

      Ich glaube das Hauptproblem der heutigen Generation ist einfach auch das, dass viele niemals gelernt haben wie man sozial mit Anderen im Internet umgeht (wobei die Frage ist ob es im RL tatsächlich besser aussieht). Irgendwie herrscht da das nach mir die Sinnflut Denken. Man merkt doch eh wie egoistisch viele heute sind. Und genau deswegen rasten die dann wegen so einer höflich gemeinten Bitte aus, weil das klingt ja dann direkt so als würdest du ihnen etwas vorschreiben wollen und genau bei so etwas ist die heute Generation überempfindlich. Das bedeutet dann auch das viele der Meinung sind Regeln sind für Andere da, nicht für einen selbst, denn ich mache meine eigenen Regeln und das hat man gefälligst zu akzeptieren.

      Versuche dann mal solche Leute irgendwie umzuerziehen. Da reicht schon viel Glück zu wünschen allein nicht mehr aus. 😉

      Das wäre dann schon die Aufgabe des MMORPG Betreibers, der hat eine gewisse Autorität dadurch, dass er eben auch mal Leute bannen kann, die sich daneben benehmen. Nur leider sind viele schlicht unfähig zu lernen, denn dafür müsste man erst mal eigene gemachte Fehler erkennen und zukünftig vermeiden wollen. Wer aber auf Regeln pfeift und sich seine eigenen macht begeht keine Fehler…

      Naja, ich könnte das jetzt noch eine ganze Weile so weiter treiben und ändern würde es eh nichts. Wie man den Schaden in der Gesellschaft reparieren soll… keine Ahnung. Ich glaub so lange das Internet in der jetzigen Form existiert wird sich nie was ändern. ^^

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  2. Erst mal auf die Schnelle: ich stimme dir voll und ganz zu. Was die Sachlage betrifft. Nur die Ursachen …Ich finde nicht, dass ‚die Spieler‘ Schuld sind. Obwohl deine Beschreibungen stimmen 🙂
    Es ist für mich klipp und klar das gierige Angebot: den eigenen Kram möglichst an alle verkaufen. Aion ist ein gutes Beispiel – Riesiges Potential – und völlig versaut (von den Entwicklern: alles für alle… und das subito).
    Du kommst nicht an der Tatsache vorbei, daß ein gutes Spiel auf eine Zielgruppe zugeschnitten ist – besser: sein muss. Je kleiner die Zielgruppe, desto schöner für die Teilnehmer. Und desto ‚unwirtschaftlicher‘ für den Anbieter. Siehe Manufactum – da kommt auch nur ein bestimmtes Klientel hin (auch Idioten, aber das steht auf einem anderen Blatt, es sind wenigstens wohlhabende Idioten); das ist das Geschäftsmodell.
    Mit dem Genre bin ich (noch) nicht fertig 🙂 als Entwicklungspotential fällt mir indes nur ein, dass anspruchsvolle Spiele auch anspruchsvolle Spieler generieren. Soviel Dialektik (oder Rückkoppelung) muss sein. Das war (und ist) bei Brett-/Tischspielen nicht anders. Heißt übrigends auch, das sich anspruchsvolle Spieler um den ‚Nachwuchs‘ kümmern (müsssen)…

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    • Das ist doch gerade der Punkt, es kamen die Massen an Spieler in ein Genre, das nicht für sie gemacht war, sprich Spieler, die nicht zur anvisierten Zielgruppe gehörten. Und genau da ist dann bei den Firmen die Sicherung durchgeknallt und sie merkten das man mit dem Genre ja richtig viel Geld machen kann, wenn man die breite Masse abzockt. Und schon waren die MMORPGs nicht mehr für MMORPGler sondern für die breite Masse, die sich für MMORPGler hielten und damit ging es dann Bergab.

      Aion diente hier lediglich für diese eine Sache als Beispiel, ansonsten ist es schon durch und durch das Produkt des längst kaputten MMORPG Marktes gewesen. Was man auch daran sah, dass die Spieler mehr damit beschäftigt waren sich innerhalb der eigenen Fraktion sinnlos zu bekriegen anstatt gemeinsam gegen die gegnerische Fraktion anzutreten.

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